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BFH 1. Senat, Urteil vom 19.11.2003 (Aktenzeichen: I R 22/02)

Kurztext:


Beschränkte Steuerpflicht eines in den USA ansässigen Musikers, der für Konzerte im Inland engagiert wird 

Volltext:


Leitsatz

1. Trägt der Veranstalter eines Konzerts die Kosten für den Transport des von ihm engagierten Künstlers zum Veranstaltungsort und für die Übernachtung und Verpflegung des Künstlers im Zusammenhang mit der Veranstaltung, so führt dies regelmäßig zu Einnahmen des Künstlers (Abgrenzung zum Senatsurteil vom 27. Juli 1988 I R 28/87, BFHE 155, 479, BStBl II 1989, 449).2. Ein Künstler erzielt Einnahmen "für das Kalenderjahr" i.S. des Art. 17 Abs. 1 DBA-USA, wenn die Einnahmen eine in dem betreffenden Kalenderjahr erbrachte Leistung des Künstlers abgelten. Auf den Zeitpunkt des Zuflusses der Einnahmen kommt es in diesem Zusammenhang nicht an.3. Ist in einem Vertrag ausdrücklich die Anwendung ausländischen Rechts vereinbart, so ist nach den Maßstäben jenes Rechts zu prüfen, ob die vereinbarten Zahlungen als Bruttoentgelte anzusehen sind oder ob der Vertragspartner zusätzlich die Zahlung von Umsatzsteuer verlangen kann.4. Bei Anwendung der "Nullregelung" gemäß § 52 Abs. 2 UStDV a.F. erzielt der ausländische Unternehmer eine Einnahme in Gestalt der Befreiung von seiner Umsatzsteuerschuld (Bestätigung der Senatsurteile vom 30. Mai 1990 I R 57/89, BFHE 161, 97, BStBl II 1990, 967, und I R 6/88, BFHE 163, 24, BStBl II 1991, 235).5. Weder das DBA-USA noch der Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen Deutschland und den USA enthalten ein Meistbegünstigungsgebot des Inhalts, dass in den USA ansässige Personen unter ansonsten vergleichbaren Umständen nicht höher besteuert werden dürfen als in Deutschland oder im Gebiet der Europäischen Union Ansässige.6. Im Freistellungsverfahren nach § 50d EStG ist nur darüber zu befinden, ob aus den dort genannten Gründen eine Freistellung von der deutschen Steuer geboten ist. Die Frage, ob steuerpflichtige Einkünfte vorliegen oder ob diese Einkünfte aus anderen Gründen von der Besteuerung freizustellen sind, ist demgegenüber außerhalb des Verfahrens nach § 50d EStG zu entscheiden. Diese Entscheidung obliegt nicht dem Bundesamt für Finanzen, sondern dem nach den allgemeinen Regeln zuständigen Finanzamt.

Orientierungssatz

Bei Reisekosten, die vom Auftraggeber des die Reise durchführenden Unternehmers unmittelbar getragen werden, handelt sich um einen abgekürzten Zahlungsweg, bei dem aus steuersystematischer Sicht beim Empfänger einerseits Betriebsausgaben in Gestalt von Reisekosten anfallen, während andererseits die Übernahme dieser Kosten durch den Auftraggeber zu Einnahmen führt.

Fundstellen
BFHE 205, 37 BStBl II 2004, 560 BFHReport 2004, 554-559 (Leitsatz und Gründe) IStR 2004, 379-383 (Leitsatz und Gründe) BFH/NV 2004, 859-862 (Leitsatz und Gründe) DStRE 2004, 634-637 (Leitsatz und Gründe) Information StW 2004, 446-447 (Leitsatz und Gründe) ZSteu 2004, R23-R26 (Leitsatz und Gründe) FR 2004, 772-774 (Leitsatz und Gründe) PISTB 2004, 188 (red. Leitsatz und Gründe) HFR 2004, 756-760 (Leitsatz und Gründe) BFH-PR 2004, 335-337 (Leitsatz und Gründe) StRK EStG 1996 § 50a R.31 (Leitsatz und Gründe) SWI 2004, 625-627 (Gründe) IPRspr 2003, Nr 34, 94-95 (red. Leitsatz und Gründe)

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Verfahrensgang
vorgehend FG Köln 2. Senat, 21. Februar 2002, Az: 2 K 7912/00, Urteil

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Rechtsprechung
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Vergleiche VV BB FinMin 2007-06-15 35-S 2411-2/07Literaturnachweise
Bettina Lieber, jurisPR-SteuerR 9/2004 Anm. 3 (Anmerkung)Udo Eversloh, jurisPR-SteuerR 29/2005 Anm. 5 (Anmerkung) dietmar Gosch, BFH-PR 2004, 336-337 (Anmerkung) A Schnitger, FR 2004, 775-776 (Anmerkung)KB, IStR 2004, 383 (Anmerkung)... mehrPraxisreporte
Bettina Lieber, jurisPR-SteuerR 9/2004 Anm. 3 (Anmerkung) Udo Eversloh, jurisPR-SteuerR 29/2005 Anm. 5 (Anmerkung)
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